Vom Widerstand zur Gestaltung

Entsetzt entdeckt Javier, dass einer der Wasserfälle im Schutzgebiet durch Probebohrungen massiv verschmutzt ist (rechts).
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Nach zweieinhalb Stunden kurviger Fahrt über Schotterpiste gelangt man ins letzte Dorf am Ende des langgestreckten Intag-Tals in Ecuador. Junín und seine Nachbardörfer haben eine bewegte Geschichte hinter sich, die Spuren hinterlassen hat.
Seit über 20 Jahren befinden sich große Teile der Bevölkerung im Widerstand gegen den Bergbau. In der artenreichen Nebelwaldregion wurden damals Kupfervorkommen entdeckt. Danach versuchten drei Konzerne an die fossilen Schätze zu gelangen, was zu einer ökologischen und sozialen Katastrophe geführt hätte. Zwei Konzerne konnten die Menschen in die Flucht schlagen. Sie mussten während dieser Zeit bewaffnete Truppen, Psychoterror, Bestechungen, Demagogie und personelle Verfolgung aushalten.
Ein staatlicher Bergbaukonzern hat sich vor einem Jahr mittels Spaltung der Bevölkerung, einschüchternder Polizeipräsenz und schließlich der grundlosen monatelangen Festnahme von Gemeindevorsteher Javier Ramirez Zugang zu dem widerspenstigen Örtchen verschaffen können. Wenn auch das ein Rückschlag nach so langem Kampf ist, glauben Javier und Mitstreitende an ihren Weg. Die drohende Wasservergiftung und Vertreibung hat die Menschen in der Region verändert.
Nachdem Intag vorher durch prekäre Verhält-nisse und fehlende wirtschaftliche Perspektiven labil war, gibt es nun regionale und überregionale Kooperation. Die Suche nach wirtschaftlichen Alternativen, um weniger Überläufer*innen zu produzieren, hat neue Vermarktungs- und Produktionsstrukturen für nachhaltige Wirtschaft entstehen lassen. Autarke Energieversorgungs-systeme werden installiert. Internationale Netze bieten Schutz vor einem rigorosen und korrupten Staat. Eine aus der Bewegung geborene Partei stellt plötzlich die Regierung im Kanton.
„Der Kampf hat uns bewusst gemacht, dass das wertvoll ist, was wir haben und dass wir es bewahren sollten“, sagt Germania. Sie stellt Bio-Kaffee und -Seife her und führt internationale Freiwillige in das regionale Netzwerk ein.