Revolutionäre (Wieder-)Verbindung

Gastón zwischen den Beeten beim Pflanzen von Rote Bete-Keimlingen.
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Meine erste Station in Chile war die Huerta Circular, der “runde Gemüsegarten”. Ein nettes Projekt in der Entstehungsphase. In der wunderschönen Umgebung der Quebrada Escobares zwischen Valparaiso und Santiago säen, pflanzen, planen und leben Gastón, Carmen und Heinz eine Utopie. Es ist ein Projekt, das klarmacht: “Bauer” sein, ist weder von gestern, noch etwas für ungebildete Menschen. Die Landwirtschaft steht heute großen Herausforderungen gegenüber: Wie den niedrigen Weltmarkt-preisen für Lebensmittel standhalten? Wie rentabel bleiben, ohne den Einsatz von Ackergiften? Wie wappnen gegen Klimawandel und das kommende Ende fossiler Ressourcen? Bewusst, mit Kreativität und Mut zu Neuem umgesetzt, ist sie demnach eine Möglichkeit die großen Probleme unserer Zeit anzugehen. Gastón spricht sogar von einem revolutionären Akt! Denn über diese technischen Themen hinaus kann Landwirtschaft menschliche Beziehungen verändern. Zunächst einmal funktioniert eine ökologische Landwirtschaft ohne Input aus dem industriellen Gesellschaftssystem. Sie ist autonom und benötigt lediglich Input durch natürliche Systeme. So verändert sie die Beziehung der Landwirtschaftenden zu Erde und Kosmos. Darüber hinaus aber kann sie aber auch das Leben jedes anderen Menschen beeinflussen, denn jede*r von uns braucht Lebensmittel. Mit dem System der solidarischen Landwirtschaft° möchte die Huerta Circular Stadtmenschen in den Prozess der Landwirtschaft einbinden und für die Basis des Lebens, die Ernährung, sensibilisieren.
°Solidarische Landwirtschaft bezeichnet eine Ausrichtung der Lebensmittelproduktion auf eine engere Beziehung von Erzeuger*innen und Kund*innen. Gute Ernte – viel Gemüse, schlechte Ernte – wenig Gemüse. Das Risiko wird gemeinsam getragen. So wird die Landwirtschaft zu einer gemeinsamen Unternehmung von Menschen, die sich Lebensmittel guter Qualität wünschen und jenen, die sie produzieren.