Floh gegen Elefant

Leo bei der Nachtwache.
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Am Rand von Córdoba. Die Region um die Stadt ist, wie viele Gegenden Argentiniens, stark durch Agrarindustrie geprägt. Mitten an einer einsamen Landstraße steige ich aus dem Bus, unsicher ob ich finden würde, wonach ich suche. Doch dann sehe ich links eine hohe Reifenwand und dahinter provisorische Hütten aus Lehm und Müll. Dahinter in der Ferne eine große unfertige Stahlkonstruktion.

Leo begrüßt mich und ist, nachdem ich ihm von meiner Reise erzählt habe, aufgeschlossen und froh mich zu sehen. Er hält gerade Wache.

Alles begann im Jahre 2013 mit dem Festival „Frühling ohne Monsanto“, organisiert von einer Aktivist*innengruppe aus der neben-liegenden Ortschaft Malvinas Argentinas. Der Agrarriese Monsanto hatte in ihrer Gemeinde zu der Zeit gerade mit dem Aufbau einer gigantischen Fabrik zur Verarbeitung gentech-nischen Saatguts begonnen. „Das Festival war nur ein Vorwand um die Blockade zu starten“, berichtet mir Sol. Sie und die anderen Aktiven wussten durch andere Beispiele in ihrem Land, was ihnen mit der Präsenz des Konzerns blüht. Vergiftungen über Wasser und Luft, unkontro-llierbare Machtstrukturen. Sie wussten und klagten an, dass Umweltstudien und Sicher-heitsprüfungen fehlten oder verharmlost waren. Politik und Justiz würden nichts tun.

Eine lange Historie von Auseinandersetzungen mit der Polizei, internen Zerrüttungen, Schöpfergeist, internationaler Solidarität, Erfolgen und Niederschlägen prägte den schmalen Streifen zwischen Landstraße und Fabrikgelände, auf dem die Welt sah, wie dutzende entschlossene Menschen vor Ort einzogen um dem Milliardenunternehmen energisch die Zuwege zu blockieren.

Nach drei Jahren ist die Fabrik immer noch im unfertigen Zustand. Während meines Aufent-haltes zieht sich auch die Sicherheitsfirma zurück, die noch das Gelände bewachte. Man munkelt der Konzern habe aufgegeben. Es scheint als habe der Widerstand gesiegt.