Angepasstes Wissen

Kinder aus Franciscos Familie bei einer festlichen Zusammenkunft.
« 1 of 2 »

Durch eine Wanderung über das raue Grasland der bolivianischen Hochebene vermittelt Francisco Urinoca mir, was hinter seiner Arbeit als „Yapuchiri“ steckt. Der Aymara-Begriff bedeutet „Landwirt“. Dahinter aber stehen klare Werte und eine Verbundenheit mit dem Kosmos.
Das Territorium der indigenen Gemeinschaft Cutusuma am Titicacasee kennt Francisco wie seine Westentasche. Diese Wanderungen gehören zu seinem Alltag. Wie heute sucht er spezielle Orte auf. Im Schilfbereich eines kleinen Sees erklärt er, anhand des kugelförmigen Nestes des „Hornero“, seine Arbeit mit Bioindikatoren. Sie ermöglichen ihm eine ziemlich genaue Wetterprognose. Anhand der Höhe des Nestes am Halm und der Ausrichtung des Eingangs kann Francisco in diesem Fall die Hauptwindrichtung und die Niederschlagsmenge des Jahres abschätzen.
Bis 2004 war es regelmäßig zu verheerenden Ernteausfällen in seiner Gemeinschaft gekommen, die am Ufer des Sees siedelt. Die Bedingungen für Landwirtschaft sind hier kompliziert: Auf über 3800m müssen Flutereignisse, Trockenjahre, Hagelstürme und extreme Früh- und Spätfröste bedacht werden. Form und Verortung der kultvierten Fläche muss also jedes Jahr an die Wetterbedingungen angepasst stattfinden.
Die Ausfälle brachten Francisco dazu die monokulturellen landwirtschaftlichen Praktiken zu hinterfragen, die in den 70ern durch Chemie- und Kriegsindustrie eingeführt wurden. Er befragte die Dorfältesten und tauschte sich mit Leidensgenossen anderer Gemeinschaften aus. Heute ist seine Gemeinschaft laut Beschluss chemiefrei und die Ernteausfälle sind drastisch reduziert. Francisco widmet sich neben der Feldbewirtschaftung der Erforschung der Bioindikatoren und der Verbreitung alten und neuen Wissens über nachhaltigen Anbau.